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Sonntag, 27. Mai 2018

Leiche gegen Geld Frau Schuster soll auf ihn zugekommen sein und ihm erklärt haben, mit Hilfe ihrer außergewöhnlichen telepathischen Fähigkeiten werde sie Flicks Leiche finden. Spachmüller solle bitte das Nötige veranlassen. Das tat er dann auch. Er formulierte einen dreiseitigen Vertrag, den er der Flick-Witwe Ingrid über den Bevollmächtigten der Flick-Privatstiftung, den Düsseldorfer Wirtschaftsprüfer Jörg-Andreas Lohr, zukommen ließ.

Suche nach der Flick-Leiche
Zauberhafte Zusammenarbeit
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Skurriles Detail im Fall um die verschwundene Flick-Leiche: Der Nürnberger Anwalt, der die Leiche aufspüren wollte, handelte offenbar im Auftrag einer Hellseherin.

Von Uwe Ritzer
"Ich mag nicht mehr darüber sprechen", sagt Wolfgang Spachmüller, aber dann redet er doch ein bisschen. Vor allem beklagt sich der Nürnberger Rechtsanwalt darüber, wie übel ihm von allen Seiten mitgespielt werde. Dann murmelt er noch etwas von "anwaltlicher Schweigepflicht". Allein sie verbiete es ihm, über jenen geheimnisvollen Mandanten zu sprechen, in dessen Auftrag er kurz vor Weihnachten ein anrüchiges Geschacher begonnen hat.

 Suche nach der Flick-Leiche
Skurrile Suche nach der Leiche: der Grabstein des verstorbenen Milliardär Friedrich Karl Flick. (Foto: Foto: dpa)
Im Gegenzug für 100.000 Euro Belohnung und ein ordentliches Anwaltshonorar obendrauf, hatte Spachmüller, 45, der Milliardärsfamilie Flick angeboten, die Mitte November aus dem Mausoleum der Familie im österreichischen Velden gestohlene Leiche von Friedrich Karl Flick wiederzubeschaffen. So obskur wie der Ruf des Nürnberger Juristen seitdem ist, scheint auch dessen Mandant gewesen zu sein. Respektive die Mandantin. Spachmüller handelte im Auftrag einer Hellseherin.

Hannelore Schuster sei "eine einfachere Frau", sagt einer, der ihren wirklichen Namen kennt. Sie lebe auf dem fränkischen Land und sei "im Grunde ganz unbedarft und unbekannt." Nicht einmal Suchmaschinen im Internet könnten mit ihrem Namen viel anfangen, obwohl viele Hellseher vor allem dieses Medium gewinnbringend nutzen.

Hannelore Schuster ist keine große Prophetin. Den spektakulärsten und einträglichsten Deal ihres Lebens wollte die Frau vom Land ohnehin ganz diskret machen. Und Anwalt Spachmüller, der sie in der Vergangenheit in profanen Versicherungs-, Verkehrs- und Familiensachen mehrfach vertreten hatte, sollte ihr dabei helfen.

Leiche gegen Geld
Frau Schuster soll auf ihn zugekommen sein und ihm erklärt haben, mit Hilfe ihrer außergewöhnlichen telepathischen Fähigkeiten werde sie Flicks Leiche finden. Spachmüller solle bitte das Nötige veranlassen. Das tat er dann auch. Er formulierte einen dreiseitigen Vertrag, den er der Flick-Witwe Ingrid über den Bevollmächtigten der Flick-Privatstiftung, den Düsseldorfer Wirtschaftsprüfer Jörg-Andreas Lohr, zukommen ließ.



Haarklein regelt das skurrile Papier, wie der Tausch vonstatten gehen sollte, Leiche gegen Geld. Er handele als anwaltlicher Vertreter einer ihm "bekannten Mandantschaft, deren Identität preiszugeben nicht Vertragsgrundlage ist", schrieb Spachmüller in den Vertrag. Besagte Mandantschaft werde im übrigen "lediglich und ausschließlich den Ort der sterblichen Überreste" Flicks bekannt geben. "Weitergehende Angaben, insbesondere die Ausforschung der Täter" seien leider nicht möglich. Schließlich hat auch Hellseherei ihre Grenzen.

Dass ein erfahrener Jurist einen solch halbseidenen Auftrag annahm, verblüfft nicht nur Berufskollegen. Immerhin gehörte Spachmüller viele Jahre der Nürnberger Kanzlei Herzog und Partner an, einer der renommiertesten Sozietäten für Zivilrecht in Franken. Sie fordert nun Schadenersatz.

"Wir haben wegen dieser Geschichte eine ganze Reihe von Mandatskündigungen", sagte Seniorpartner Roman Peter der Süddeutschen Zeitung. Viele Klienten seien zudem "erheblich verunsichert und verärgert." Der Ruf der Kanzlei habe gelitten, obwohl dort niemand von Spachmüllers Alleingang gewusst und man sich nach Bekanntwerden öffentlich entschuldigt habe. Peter kündigte an, als Schadensersatz eine Abfindung, die Spachmüller zu seinem Ausscheiden aus der Kanzlei erhalten sollte, nicht auszuzahlen.

Spachmüller, der am liebsten CSU-Bundestagskandidat in Nürnberg geworden wäre, war am 3. Dezember aus der Kanzlei Herzog ausgeschieden. Formal endete das Arbeitsverhältnis zum Jahresende. In der Zwischenzeit sollte er lediglich Restarbeiten abwickeln. Derweil trieb er das Hellseher-Mandat in Sachen Flick voran.

Wolfgang Spachmüller will sich zu alledem nicht äußern. Auch nicht zu drohenden strafrechtlichen Konsequenzen. Die Familie Flick hat ihn bei der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft angezeigt. Sie hat die Akten auf dem Dienstweg zu den Nürnberger Kollegen geschickt, die entscheiden werden, ob gegen den Anwalt ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird.

Über den Verbleib der sterblichen Überreste von Friedrich Karl Flick herrscht indes weiter Unklarheit. "Wir haben keine Spur", sagte eine Sprecherin der Landespolizei Kärnten. Bei Spachmüller klingelt indes pausenlos das Telefon. "Hunderte Anrufe" habe er schon erhalten, sagt er. Den ganzen Wirbel versteht er nicht. "Am liebsten möchte ich gar nichts mehr darüber in der Zeitung lesen." Wie die Sache für ihn wohl ausgeht? "Das weiß ich nicht", antwortet er, "ich bin doch kein Hellseher."


Spachmüller, der am liebsten CSU-Bundestagskandidat in Nürnberg geworden wäre, war am 3. Dezember aus der Kanzlei Herzog ausgeschieden. Formal endete das Arbeitsverhältnis zum Jahresende. In der Zwischenzeit sollte er lediglich Restarbeiten abwickeln. Derweil trieb er das Hellseher-Mandat in Sachen Flick voran.
Wolfgang Spachmüller will sich zu alledem nicht äußern. Auch nicht zu drohenden strafrechtlichen Konsequenzen. Die Familie Flick hat ihn bei der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft angezeigt. Sie hat die Akten auf dem Dienstweg zu den Nürnberger Kollegen geschickt, die entscheiden werden, ob gegen den Anwalt ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird.
Über den Verbleib der sterblichen Überreste von Friedrich Karl Flick herrscht indes weiter Unklarheit. "Wir haben keine Spur", sagte eine Sprecherin der Landespolizei Kärnten. Bei Spachmüller klingelt indes pausenlos das Telefon. "Hunderte Anrufe" habe er schon erhalten, sagt er. Den ganzen Wirbel versteht er nicht. "Am liebsten möchte ich gar nichts mehr darüber in der Zeitung lesen." Wie die Sache für ihn wohl ausgeht? "Das weiß ich nicht", antwortet er, "ich bin doch kein Hellseher."

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