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Freitag, 13. Juli 2018

In diesem MammutVerfahren wg Nicstic AG hat Beate Hofmann an mehreren Tagen als Zeugin teilgenommen....!!!! // und Michael Lothar Berresheim (63) sind mehrfach einschlägig vorbestraft.

HÜNENBERG: Nicstic-Marathon vor Landgericht Stuttgart

197 Verhandlungstage dauerte das Mammutverfahren gegen die beiden Hauptverantwortlichen der Nicstic. Sie erhielten Freiheitsstrafen von über zehn Jahren.
Jürg J. Aregger
Das Produkt Nicstic wurde im Oktober 2004 vorgestellt. Zur Markteinführung kam es nie. (Bild: Guido Röösli)

Das Produkt Nicstic wurde im Oktober 2004 vorgestellt. Zur Markteinführung kam es nie. (Bild: Guido Röösli)

Jürg J. Aregger
Nicstic sollte die erste rauchfreie elektronische Zigarette auf dem Markt sein. Zu Freiheitsstrafen von 10 und 11 Jahren wurden vom Landgericht Stuttgart kürzlich die beiden Drahtzieher der Hünenberger Firma Nicstic verurteilt. Nach Überzeugung der 6. Grossen Wirtschaftsstrafkammer hatten die beiden Beschuldigten in den Jahren 2004 bis Mitte 2006 über vielfältige Vertriebskanäle Aktien der Nicstic-Aktiengesellschaft veräussert. Die wertlosen Aktien kauften laut den deutschen Richtern 528 gutgläubige Investoren in Deutschland, der Schweiz und weiteren europäischen Ländern für rund 15,8 Millionen Euro. Gegenüber potenziellen Anlegern bewarben die Beschuldigten Nicstic als ein solid finanziertes Unternehmen, das sich auf die Entwicklung, die Produktion und den Vertrieb der elektrischen Zigarette spezialisiert habe. «Die als lukrative Geldanlage angepriesenen Aktien waren indes völlig wertlos», hält das Landgericht fest. «Anstatt der beworbenen baldigen Serienreife gab es zu keinem Zeitpunkt ein funktionsfähiges Produkt.» Die filterlose Zigarette wurde auch nicht patentiert. Aufgrund ihrer Unterkapitalisierung war die Gesellschaft von vornherein gar nicht in der Lage, in Entwicklung und Produktion zu investieren.
Als Kopf des betrügerischen Geschäftsmodells waren die Beschuldigten nach Überzeugung der Richter «sowohl beim systematischen Aufbau als auch bei der jahrelangen Aufrechterhaltung des auf die Straftaten ausgerichteten Geschäftsbetriebes die zentralen Akteure». Sie hätten sich zur Anwerbung einzelner Anleger einer Vielzahl von Mitarbeitern und Vermittlern bedient. Das Landgericht Stuttgart beziffert 1056 Betrugstaten.

438 Ordner mit Ermittlungsakten

Heinz Piroth (64) und Michael Lothar Berresheim (63) sind mehrfach einschlägig vorbestraft. Bereits beim legendären Schneeballsystem Kings Club waren sie beteiligt. Piroth ist als Spieler eine Kapazität, wurde er doch 2002 Poker-Europameister und gewann über 120 000 Euro. Berresheim, der das mildere Urteil für den jahrelangen schweren Betrug erhielt, nannte dieses bei der Eröffnung als lächerlich, unfassbar und sagte in Richtung Staatsanwalt: «Das geht in die zweite Runde.» Beide fühlen sich schuldlos.
Der Prozess gegen die Drahtzieher hatte im Sommer 2013 begonnen, musste aber nach 28 Tagen abgebrochen werden, weil eine Richterin wegen Schwangerschaft ausfiel. Die zweite Runde begann Ende März 2014, diesmal sicherheitshalber mit vier Richtern, falls wieder einer ausfallen sollte. Eine regelmässig vorgebrachte Verhandlungsunfähigkeit und ein vorgetäuschter Schlaganfall führten dazu, dass in den letzten zwei Jahren stets ein Rechtsmediziner anwesend war. Nicht weniger als 197 Verhandlungs­tage waren bis zur Urteilseröffnung notwendig – eine Rekordzahl. Es galt, ein komplexes Geflecht mit über 30 Firmen und eine Vielzahl undurchsichtiger vertraglicher Konstruktionen zu durchleuchten, die zur Verschleierung des betrügerischen Geschäftsmodells genutzt wurden. Es wurden 88 Zeugen – teils im Rechtshilfeweg durch die Zuger Staats­anwaltschaft – und 7 Sachverständige einvernommen. Das Gericht hatte sich mit 438 Ordnern Ermittlungsakten und 46 Ordnern Gerichtsakten zu befassen.

Mehrere Prozesse auch in Zug


Der Zuger Staatsanwalt Andreas Sidler zeigte sich auf Anfrage befriedigt über die deutschen Urteile. Er hatte das Nicstic-Verfahren hautnah verfolgt. Mit seiner Kollegin Regula Schlauri hatte er zuletzt vor einem Jahr vor Obergericht das Verfahren gegen einen Verwaltungsrat bestritten, nachdem der 72-jährige Verwaltungsratspräsident nach der Verhandlung vor Strafgericht verstorben war. Er war zu 18 Monaten Freiheitsstrafe bedingt verurteilt worden. Das Obergericht verurteilte den Mitbeschuldigten zu einer bedingten Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 70 Franken. Dieses Urteil ist rechtskräftig.

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